| Thomas Sabottka ist sich selbst treu geblieben & hat die gleichen Probleme wie viele Andere seines Jahrgangs auch. Dieser Satz würde die Quintessenz & den Auslöser zu seinen 19 Kurzgeschichten beinahe ausreichend beschreiben... aber ganz so einfach will man es sich ja dann doch nicht machen. Zumal es sich hierbei um ein limitiertes Gemenge handelt, dem es nicht wirklich ausreichend gelang drei verschiedene Medientypen in etwas Homogenes zu verschmelzen.
Eins ist klar. Thomas Sabottka ist ein Autor, der bekannte Namen an seiner Seite nicht scheut. Als Redakteur eines Gothic-E-Zine prügelte er vor Jahren noch regelmäßig auf Thomas Rainer ein - aber mit 40 Lenzen wird man milder oder altersweise. Zumindest will er als Autor eines nicht bleiben: "Namenlos"! Für das gleichnamige Album von L' âme Immortelle, welches sich thematisch mit den alten Wiener Friedhöfen der unbekannten Donau-Leichen beschäftigt, hat er das Konzept weiter ausgebaut. Nach einem abschließenden Essay zum Album & Gastauftritt auf deren Tour, wird nun das Rainer'sche Sujet als Kurzgeschichtenbändchen vollends ausgewaidet & mit personalisierten Zeilen zum Selbstmörder-Friedhof Grunewald-Forst verbreitert. Natürlich nicht ohne die Erwähnung das dort Christa Päffgen, besser bekannt als Nico, begraben liegt... Klischeefrei wolle er sich mit unserer Erinnerungskultur auseinandersetzen. Schreibt er. Doch er bestätigt von Anfang an alle meine Befürchtungen. Seinen Kurzgeschichten merkt man die hastige Arbeit an jeder Zeile an. Man hat den Eindruck, alles sei schon früher so gesagt worden, genauso beschrieben worden. Auch von ihm selbst. Das mag dem Einsteiger nicht auffallen, den Kenner verfolgen jedoch sein unbestrittenes illustratives Talent & die unverwechselbare Plastizität seiner inzwischen recht fossilen Protagonisten aus den ersten beiden Romanen. Der kurzsichtige Hass Heranwachsender, Verzweiflung & Alltagskonflikte wird überzeugend geschildert, bei der "Hafensanierung" kommt noch eine Prise Albtraum dazu. Der Autor beschönigt nichts, lässt keinen Zweifel daran, dass Auffahrunfälle im Liebestaumel alles andere als ein Happy End sind. Doch "Jim" (Morrison?) könnte ein eineiiger Zwilling von Indigo sein & selbst die Paracetamolträume finden sich wortwörtlich wieder. Aus diesem Stoff lassen sich schwerlich Gesellschaftsepen basteln, dass hat beinahe soviel Sinnlichkeit wie die TV-Zeitschrift vom letzten Monat. Der Autor meint etwas zur Erinnerungskultur beitragen zu müssen & weil ihm Kurzgeschichten im Grunde dafür wohl zu klein sind, braucht er breitere Flügel. Er erinnert sich (wie schon so oft) an Alexander Frank Spreng. "Memorial" ist dankenswerterweise, durch Idee & Mitarbeit von ASP, zur nachdenklich unterhaltsamen Vampir-Moritat ohne den sonst vorherrschenden Beigeschmack einer lauen Unterhaltungsdienstleistung mit popkultureller Avantgarde-Attitüde geworden. Daran werde ich mich sicher noch lange erinnern...
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Dem Wahnwitz der Buchstaben entkommt man recht schnell auf den Fotos von Butow Maler. Er fotografiert nicht mehr, er erschafft bildhafte Emotionen surrealen Ausmaßes. Morbide, kalte Settings erhalten bei ihm regelrecht strahlende Opulenz. Seine Porträts erzählen lautlos Lebensgeschichten & zeigen nicht nur pulsierende Objekte. Vertraute Sujets erhalten mittels meisterlicher Nachbearbeitung mal einen ironischen, mal einen korrodierenden Subtext - jedoch nie die wohl inzwischen trendige filtrierte Verschlimmbesserung. In seiner Gestaltungswut erahnt man unmissverständlich, dass das eigene Ableben eine Trennung von sozialen Bindungen, Überzeugungen, Vorlieben & Ängsten sein wird... Schade das der Fotograf Butow Maler bisher noch keinem eine Schlagzeile wert war. Jammerschade, dass Schwärzungskurve & Kontraste ein wenig unter dem hier verwendeten Papier leiden.
Für elf weitere Euro mehr erhält man die auf dreihundert Stück limitierte Edition. Jene inkludiert neben einer Bauchbinde fürs Buch noch eine unverhüllte CD mit knapp 35 Minuten Musik von Kammer Sieben. Das vorrangig dem neo-klassisch-folkigem verhaftete Projekt von Butow Mahler & Herrn Twiggs erzielte mit einer Demo-Version von "Dismembered Memories" einen nachhaltigen Achtungserfolg, im Jahre 2005, auf dem Label-Sampler "Eisiges Licht". Ausgefeilter war das Lied dann auf ihrem 2007er Debüt "Unfinished Movies" zu hören & auf dieser CD nun präsentiert die, inzwischen zum Quintett avancierte Band, zwei weitere Spielarten davon. Die Piano-Version gibt meines Erachtens am schönsten die verträumt-sphärische Stimmung des einfach mal den Gedanken nachhängen wieder. Der perfekte Soundtrack für einsame Waldspaziergänge, morgens um fünf. Etwas martialer gerät dann die "Heilige Liebe". Aber mit der Liebe ist das manchmal gar nicht so einfach, mit dem Singen darüber erst recht nicht. Mir missfällt Herrn Twiggs recht bemüht klingender deutschsprachiger Heldengesang erneut, aber das ist nun mal reine Geschmackssache. Wirklich unschön wird's erst wenn beim Mastering die Titel durcheinander purzeln & die Tracklist dem nicht Rechnung trägt. Jene recht passable Interpretation von "Into the Waves", dem Attrition-Klassiker vom 95er Album "In The Realm Of The Hungry Ghosts", findet man erst auf der Startposition 6. Nachfolgende Tracks, wie die Georg Trakl-Vertonung "In den Nachmittag geflüstert" & die neue Sicht auf Heinrich Heines "Altes Lied", verschieben sich dadurch ebenfalls... wahre Poesie die dem o.g. Buchautor noch nicht zum Selbstverständnis geworden ist. Doch Kammer Sieben wären nicht sie selbst, wenn da nicht auch noch ein bisschen Ostpreußen nebst Blut & Ehre mit swingt. "Ihr" bedient dies angemessen mit einer Ballade der neo-romantischen "Mutter Ostpreußen" Agnes Miegel. Agnes wer? Für manche ist diese Literatin die größte anzunehmende Bedrohung ideologiefreier Kultur nach Leni Riefenstahl. Wobei erstere in ihren Huldigungsgedichten an den (ja auch im Zuge eines Freitods verblichenen ;-) Führer weitaus deutlicher & emotionaler war.
Erinnerungskultur. Kultur hat zumeist auch einen Standortfaktor & bei Erinnerungen gibt es die zwei Seiten einer Medaille. Mir bleibt gerade deshalb unverständlich, wie sich dieses Buch - mit dem hehren Anspruch: Wider dem Vergessen & Pro dem Gedenken an alle welche ohne namentlich benannten Ehrenplatz sind - mit den jüngsten Auseinandersetzungen um das Andenken an Agnes Miegel verträgt. Schulen & Straßen die ihren Namen trugen werden aus Scham oder Druck der Öffentlichkeit umbenannt. Die Agnes-Miegel-Gedenktage, just vor ein paar Tagen in Bad Nenndorf bei Hannover, wurden begleitet von Aufmärschen & Protesten. Diese gipfelten in der äußerst plakativen Verhüllung ihres Denkmals! Buch Kritik: Was bleibt von Thomas Sabottka
Von Andre Friebel
19. Mai 2008, 22:35
„Was bleibt von uns übrig, wenn alles längst vergangen ist?"
Inspiriert durch die Zusammenarbeit mit L´ÀME IMMORTELLE für deren Album/Tour „Namenlos“, schuf der Autor Thomas Sabottka eine Sammlung für Kurzgeschichten, die sich auf poetische, nachdenklich stimmende, aber oft auch ironische, unverkrampfte und vor allem überraschend klischeefreie Art mit dem Tod und dem Sterben auseinander setzen.
Das vorliegende Buch enthält neben den Texten, die sich um den Wiener „Friedhof der Namenlosen“ bewegen, noch weitere Geschichten, u.a. eine, die Sabottka gemeinsam mit A. F. Spreng (ASP) geschrieben hat.
Bebildert mit den eindrucksvollen Fotografien von Butow Maler, die der Poesie der Texte in nichts nachstehen, geht das Buch angenehm unverkrampft den Fragen nach unserer Erinnerungskultur und unserem Umgang mit dem Tod nach.“
Insgesamt sind es 18 kurze Geschichten, die der Autor in diesem schmalen Buch zum Besten gibt. Die Geschichten sind brisant und zeitlos, weil das Hauptthema der Tod ist, das uns auch in diesem Jahrhundert begegnet. Mit tragischen, für die „Verstorbenen“ oftmals aber befreienden, Schicksalen befasst sich der Autor ausgiebig, der mit dem Tod bereits so einige Erfahrungen machen musste.
Der Tod steht am Ende aller Dinge, er ist ein Teil des Lebens und sollte kein Tabuthema darstellen.
Viele Menschen haben Angst vor dem Tod, andere sehen in ihm den letzten Ausweg aus ihrer innerlichen Misere, aus ihrer Verzweiflung, Not und Angst – für sie ist es die Erlösung.
Tragisch sind dennoch viele Schicksalsschläge, von denen Herr Sabottka berichtet – sei es von dem mysteriösen Leichenfund eines toten Kindes im Jahr 1840, dem kleinen Jungen, der für eine heiße Brühe sein Leben in der Donau verliert oder von dem bizarren Erlebnis eines Taxifahrers.
Introvertiert sollten die eigenen Gedanken zu diesen Erzählungen und dem eigentlichen Thema an sich sein. Sabottka möchte sicherlich nicht provozieren. Er möchte zeigen, dass Leben und Tod im engen Zusammenhang stehen und sich keiner davor schützen kann. Tragisch sind manche Todesfälle und der Kontext zu den abgebildeten schwarz-weiß Fotografien, wird durch die ganz besondere Schreibart und -weise deutlich.
Was ist mit dem Clown, der in seiner Zirkuswelt von den Zuschauern als lebensfroh und lebenslustig abgestempelt wird, dennoch sich letztlich von einer Brücke stürzt? Es ist diese äußere Fassade, die andere täuscht und Dinge ahnen lässt, die nicht real sind, sondern nur Masken - Masken, wie die eines Clowns.
Ich denke, dass dieses Buch sehr gelungen ist, denn das Thema „Tod“ an sich ist selbst in der heutigen Zeit für viele noch ein Tabuthema, wobei es doch so selbstverständlich scheint. Schließlich ist nichts „so sicher wie der Tod, nur ungewiss ist seine Stunde“. Absolute Melancholie paart sich mit Finsternis, tiefen Abgründen, bitteren Schicksalen. Faszinierend, aber doch mit dem angemessenen Hauch des Bedachtes und des Mitleids. Schwarz, grau und weiß sind „unechte“ Farben und veranlassen uns dazu, die Gedankengänge des Autors besser nachvollziehen zu können. Butow Maler
von Jörg Zimmermann
Wer direkte Akt- oder Erotikfotografie sucht, liegt bei Butow Maler falsch. Der in Bremen wohnende Künstler fotografiert, wie er es wahrnimmt. Von der Gothic-Szene angehaucht, wirken seine Bilder immer etwas beengend, surreal, psychodelisch, dabei aber immer sehr sensibel und feinfühlig.
Visionen
Authentizität und intime Momente
Butow scheut sich nicht vor fotografischen Experimenten und seine Akt-Erotik und Fetischfotografie produziert er durchaus auch als Polaroids. Dadurch erhält er Bilder, die durch ein gewisse Authentizität bestechen und wenig gestellt wirken. Der Besucher seiner Website Externer Link fühlt sich als Voyeur, der einen Einblick in intimste Momente bekommt. Der Künstler dokumentiert nicht die Realität, sondern produziert einzigartige Visionen.
Mischung aus Foto und Struktur
Mischung aus Foto und Struktur
Dabei ist für ihn die Fotografie nur ein Mittel zum Zweck, die ihm den Rohstoff für seine Akt-, Gothic- und Fetischfotografie liefert. Seine Bilder sind durch düstere und kalte Farbgebungen und Strukturüberlagerungen geprägt. Butow Maler unterstüzt die alternative Fotografie, die sich eben nicht an der Glamour- und Beauty-Fotografie aus Hochglanzmagazinen orientiert. Dazu betreibt er Projekte, die sich ausschließlich dieser Art der Fotografie widmet, wie etwa www.menschenfotografie.net Externer Link und www.erotischefotografie.net Externer Link. Auch seine Model-Kartei-Sedcard Externer Link ist einen Blick wert. Was bleibt. Mit Fotografien von Butow Maler (Sabottka, Thomas / Maler, Butow)
Auflage: März 2008
Erscheinungsjahr: 2008
ISBN: 3939398772
Verlag: Edition PaperONE
Genre: Belletristik
1 Review
"Was bleibt" ist ein wunderschön aufgemachter kleiner Band mit 18 Shorties von Thomas Sabottka, die mit Fotografien des Künstlers Butow Maler verziert wurden - eine grandiose Verquickung von Bildband und Kurzgeschichtensammlung rund um den Tod. Ein zentrales Motiv ist darüber hinaus die Donau, deren tückische Strömungen im Laufe der Zeit unzähligen Menschen den Tod brachten. Thomas Sabottka hat auf knapp 100 Seiten viele Schicksale von Menschen geschildert, die in den Fluten oder an dessen Ufern umkamen.
Das bizarre Erlebnis eines Taxifahrers, der mysteriöse Leichenfund eines toten Kindes im Jahr 1840, ein kleiner Junge, der für eine heiße Brühe sein Leben in den kalten Wassern der Donau aushaucht. Die Geschichten, die Thomas Sabottka hier erzählt, sind kurz, aber eindringlich und schaffen auf wenigen Seiten etwas, das vielen Autoren mit dicken Wälzern nicht gelingen will: Sie berühren den Leser. Oftmals beinhalten die Zeilen eine große Traurigkeit und Wehmut; berichten davon, wie schnell eine Existenz, eben noch von ungebändigter Lebenslust erfüllt, enden kann.
Da wird von einem Mann erzählt, der Zeit seines Lebens sein Geld als Clown in einem Zirkus verdiente, wo ihn die Leute nur als lebensfrohen, lustigen Menschen kannten und der sein Dasein durch einen Sprung von der Brücke beendet. Ein Fotomodel leidet unter der Anonymität ihrer Schönheit und sucht die Flucht in den Tod. Bei diesen Geschichten beweist Sabottka seine Vielseitigkeit und beschreibt einfühlsam, wie tröstend für einige Menschen die Erlösung sein kann.
Düster bedrohlich geht es in den Erzählungen "Hafensanierung", "Memorial" und "Am Ende der Nacht" zu, die einen morbiden und surrealen Touch aufweisen, der an Erzählungen von Edgar Allan Poe erinnert. Zugleich greifen einige der Geschichten auf faszinierende Art und Weise ineinander, es empfiehlt sich also, das Buch der Reihe nach zu lesen und nicht querbeet, auch wenn dies nicht heißen soll, dass man nicht einen zweiten oder dritten Blick auf besonders einprägsame Storys werfen kann.
Nur über eines sollte man sich im Klaren sein: Obwohl die Texte sehr kurz sind und das Buch insgesamt sehr dünn ist, kann man es nicht "mal eben zwischendurch" lesen. Die Geschichten ziehen den Leser unweigerlich in ihren Bann und beschäftigen ihn noch lange nach der Lektüre. Daher ist dieses Werk ein Buch, das man in angemessener Atmosphäre und in nicht allzu trübsinniger Stimmung genießen sollte.
Die Bilder von Butow Maler sind einfach grandios und passen in ihrer Eigenwilligkeit und Melancholie ebenso treffend zu den Texten wie in der Wahl ihrer Motive.
Fazit: "Was bleibt" ist ein nachdenklich stimmender, wunderschön aufgemachter Band mit einfühlsamen Erzählungen von Thomas Sabottka und kunstvollen Schwarzweiß-Fotografien von Butow Maler. Das Thema Tod wird hier in seinen unterschiedlichsten Facetten behandelt, und trotz seines stattlichen Preises von 15 Euro ist das Buch jeden Cent wert. Ein Fotograf zwischen Erotik, Fetisch, Gothic und Mode
Interview mit Butow Maler, geführt von Florian Hilleberg am 15. Apr. 2008.
Butow Maler, vielen Dank, dass Du dir die Zeit nimmst einige meiner Fragen zu beantworten.
Seit wann arbeitest Du als Künstler und wie bist Du zum Fotografieren gekommen?
Zum Fotografieren bin ich sicher damals durch meine Familie gekommen. Durch die schnöde Urlaubsfotografie. Mit 14 oder 15 habe ich mir dann eine erste Spiegelreflexkamera gekauft, an der VHS einen Kurs zur Dunkelkammerarbeit belegt und da ging es dann los. Die Welt wurde plötzlich schwarzweiss, einen Farbvergrößerer konnte ich mir schließlich nicht leisten und ich wollte schließlich alles selber machen.
Ist Fotograf Dein erlernter Beruf und schon immer Dein Traumjob gewesen?
Mit 16 Jahren etwa hatte ich von der Schule die Schnauze voll und habe mich ernsthaft um einen Ausbildungsplatz als Fotograf bemüht. Fünfzig Bewerbungen ergaben dann ein Vorstellungsgespräch und das war bei der Polizei. Ich erinnere mich, dass ich mir da zuerst zwei Ordner mit Leichen anschauen durfte und danach eine Gasflasche dokumentieren sollte. Den Ausbildungsplatz habe ich nicht bekommen. Ich bin dann doch weiter zur Schule gegangen, habe brav mein Abitur gemacht und dann „Freie Grafik“ studiert. Zu dem Zeitpunkt war das genau das, was ich machen wollte.
Das Morbide, Surreale und Bizarre sind ebenso grundlegende Bestandteile Deiner Werke wie die Erotik. Wie kam es dazu, dass Du von der „normalen“ Fotografie zur Kunst gewechselt bist?
Ich bin ja nicht von hier nach da gewechselt. Das war immer ein Wechseln zwischen den Medien. Die angewandte, klassische Porträtfotografie habe ich nie oder nur selten betrieben, sondern immer meine eigenen Ziele verfolgt. Und ich hatte das Glück, dass es immer wieder Menschen gab, die genau solche Bilder wollten.
Hast Du eine feste Anzahl von Models auf die Du zurückgreifst? Wie erfolgt die Auswahl beziehungsweise wie kommen die Kontakte zustande? Läuft das alles über Model-Agenturen?
Da gibt es eine oder zwei handvoll Modelle, mit denen ich immer wieder zusammenarbeite. Wir haben im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis geschaffen, das es leicht macht, schnell und sicher zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen. Ich arbeite aber auch immer wieder mit neuen Modellen. Die melden sich meist von alleine bei mir und gerade für freie Arbeiten ist das natürlich ganz praktisch. Die Modelle bekommen ein paar Bilder für ihre Mappe und ich habe jemanden, mit dem ich ein paar Bildideen umsetzen kann. Leider sind da auch immer wieder welche dabei, die sich dann vor der Kamera als unflexibel und stocksteif herausstellen und das kostet dann eine Menge Arbeit die gewünschte Qualität der Bilder zu erreichen. Mit Modellagenturen arbeite ich nicht zusammen. Für Auftragsarbeiten bediene ich mich lieber bei den mir schon bekannten Modellen aus meinem „Pool“. Und neue Modelle kommen, wie schon gesagt, von alleine auf mich zu. Manchmal entdecke ich aber auch in Netzforen interessante Menschen, die ich dann selber direkt anspreche.
Gibst Du den Frauen und Männern genauestens vor wie sie zu agieren haben oder lässt Du ihnen auch Raum für eigene kreative Ideen?
Nur ganz selten passiert das. In der Regel kontrolliere ich alles, gebe jede Pose bis ins letzte Detail vor. Ausser ich mache Bewegungsbilder mit langen Belichtungszeiten. Dann natürlich gebe ich nur andeutende Anweisungen. Bei Shootings mit mehreren miteinander agierenden Modellen mag ich Phasen, in denen ich diese sich selbst überlasse. Wenn sich die Situation verselbständigt und die beiden dann in einen Dialog treten oder gar sich eine erotische Spannung aufbaut, ist das für mich als Fotograf natürlich wunderbar. Ich werde dann zum stillen Voyeur und Dokumentar, der sich nur noch auf Perspektiven und Licht kümmern muss.
Gibt es Orte die Du als Kulisse bevorzugst?
Ja, spannende Orte. Ich mag große Räume mit expressivem Licht. Aber auch welche, die unterschiedliche Raumerfahrungen bieten. Und Treppen. Räume sind mir sehr wichtig und ich lasse mich von der jeweiligen Stimmung sehr bei den Bildern beeinflussen. Formal spielen sie sowieso eine große Rolle.
Arbeitest Du auch in einem Atelier?
Vor allem in den Wintermonaten mache ich das. Und regelmäßig im Frühjahr hängt mir das dann auch zum Hals raus, weil ich das Gefühl bekomme, zu sehr durch die immergleichen Räume eingeengt zu sein. Trotzdem ist es natürlich sehr komfortabel, jederzeit die Möglichkeit zu haben, mit einem Modell eine Idee zu verwirklichen.
Gibt es Motive oder Szenarien, die Dir besonders viel Spaß machen?
Es gibt ein paar Posen, die ich bei fast jedem Shooting mitmache, weil ich sie so sehr mag. Und es gibt immer wieder Themen, die sich durch mehrere Shootings hindurchziehen, bis ich dann endlich das Gefühl habe, dieses Thema bewältigt zu haben. Manche greife ich nach einer Weile wieder auf, wenn sich für mich neue Ansätze ergeben. Verhüllungen z.B. sind so ein Thema. Oder auch Masken.
Hast Du eine Inspirationsquelle? Oder gibt es gar Vorbilder?
Vorbilder habe ich keine. Es gibt natürlich eine ganze Reihe anderer und berühmter Fotografen, deren Arbeiten ich sehr schätze. Ich versuche aber nicht, wie diese zu fotografieren. Inspirationsquellen gibt es viele. Das sind natürlich in erster Linie meine eigenen Fantasien und Obsessionen, die ich in meinen freien Arbeiten zu Bildern werden lasse. Das können aber auch Stimmungen aus Filmen oder Erzählungen sein. In diesen Fällen geht es mir weniger um eine textgetreue Nacherzählung, sondern mehr um das Gefühl, das im Film oder in einer Szene transportiert wird.
Wenn Du Aufträge annimmst, sind die Motive dann klar umrissen oder hast Du freie Hand?
Das ist unterschiedlich. Manche Auftraggeber haben konkrete Vorstellungen, die sich dann oft aber auch auf meine Art die Welt zu sehen beziehen. Manchmal wird auch nur ein Thema umrissen oder eine Location oder ein Szenario vorgegeben und ich darf mich in diesem Raum dann frei bewegen.
Wie lief beispielsweise die Zusammenarbeit mit Thomas Sabottka ab? Hat er Dir bestimmte Motive zu seinem Buch „Was bleibt“ vorgegeben oder konntest Du Deiner Fantasie freien Lauf lassen?
Ich habe die Geschichten zu lesen bekommen und habe dann die Modelle und Szenen ausgewählt. Da waren keine strikten Vorgaben, aber natürlich habe ich versucht, in diesem Fall sehr dicht am Text zu bleiben. Beim Lesen hatte ich direkt bestimmte Typen vor Augen und habe dann nach entsprechenden Modellen gesucht. Ein, zwei Bilder sind aber auch spontan während eigentlich anderer Arbeiten, die ich zu der Zeit machte, entstanden. Und eine Geschichte musste dann sogar etwas umformuliert werden, weil mir ein Modell spontan vor die Kamera lief und so gar nicht in die ausnahmsweise an der Stelle mal konkrete Beschreibung in der dazugehörigen Geschichte passte. Aber Thomas Sabottka und ich denken sehr ähnlich und so war es von vorneherein klar, dass da keine großen Abstimmungen gemacht werden müssen, sondern wir etwas schaffen werden, das zusammen geht.
Welche Art von Literatur und Musik bevorzugst Du? Inwieweit lässt Du Dich von diesen Kunstrichtungen inspirieren?
Literarisch fühle ich mich sehr wohl in der Lyrik des 19. Jahrhunderts und der expressionistischen. In der Prosa bin ich da vielfältiger und nicht so sehr festgelegt. Da geht es von Paul Auster über William Gibson und Stephen King bis hin zu Andrew Vachss. Musikalisch bin ich sehr experimentierfreudig. Neofolk, Minimal und Industrial sind sicher die Schwerpunkte bei dem, was ich höre. Von da aus werden aber auch immer wieder Streifzüge durch andere Genres gemacht. Von Musik inspirieren lasse ich mich nicht bewusst. Von Literatur schon eher. Weniger aber hier von konkreten Geschichten, sondern eher von Stimmungen, wie sie erzeugt werden.
Was ist dem Menschen Butow Maler wichtig und was mag er gar nicht?
Meine Familie ist das mit Abstand Wichtigste für mich. Ohne die wäre ich nicht der, der ich bin. Und ohne meine Frau hätte ich nicht die Freiräume, die für meine Arbeit sehr wichtig sind.
Hast du feste Arbeitszeiten oder gibt es bestimmte Tageszeiten in denen Du besonders gerne arbeitest?
Ich arbeite am liebsten tagsüber. Einfach weil ich Tageslicht dem künstlichen Licht gegenüber bevorzuge. Leider nur ist das mit den meisten Modellen nicht möglich, die ja oft einem geregelten nine-to-five-Job nachgehen. Da muss ich dann oft genug Kompromisse machen.
Butow, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview.
Viele Grüße, Florian Some of Butow Maler's work at his site at Slowphoto can be compared to the stuff presented by Léon at the rather nifty Fifty Rooms. However, unlike the stuff at Fifty Rooms, Maler's photography isn't just centered around polaroids of semi-clad or naked, young women. He's also interested in other forms of photography -particularly pinhole photography- with his work ranging from nude to architecture to landscapes and nature. All in all an interesting site and well worth the visit. - japanese forms GlamourPunk is the sepia-tone-drenched, shadow-laden world of German photographer Butow Maler. Unlike the shadow-laden aspects of our own humdrum lives, though, his is filled with sneering fetish babes in various states of undress. It's enough to want to make you do the robot dance mid-wank just to celebrate the stark erotic sensibility of this master photographer and photomanipulator. Come on folks, we know you've got those Einsturzende Neubauten records hidden away somewhere ... Le blog coquin hollandais Fetish Design a déniché les épreuves photos du talentueux photographe Butow Maler, un esthète qui portraitise des nus artistiques, des modèles fetish, des poses façon gothique. Un regard érotique raffiné et hot au féminin à mieux saisir sur les galeries de son site ouaib. Butow Maler est un photographe évoluant dans le sexy et le sensuel. Wer sich auf die Webseite des Fotografen Butow Maler verirrt, der sollte genug Zeit mitbringen. Zeit, um sich von der enormen Spannbreite dieses beeindruckenden Künstlers verführen zu lassen. Stets auf Highlevel fängt Maler bunte Fetischmotive und intensiver Spielmomente ein, zeigt Abgründe und Perspektiven, wagt sich an Mystik und Gothic, an DS und Schmerz.
Als aufmerksamer Beobachter mit treffsicherem Blick und einer enormen fotografischen Professionalität, liefert er Bilder denen man sich nicht entziehen kann. First Class SM & Fetischfotografie! >> weiter 11 Fragen an: Butow Maler
Geschrieben von Gianfranco La Garda
Samstag, 19 August 2006
"11 Fragen an ...", die Serie auf La Garda stellt Fotografinnen und Fotografen mit einem kurzen Interview vor. Die Antworten auf die elf immer gleichen Fragen zeichnen ein Bild der Interviewten und ihrer Arbeit.
In dieser Folge stellen wir den Fotografen Butow Maler aus Bremen vor.
Wie alt bist du?
40.
Seit wann fotografierst du?
Habe ich vergessen. Seit meiner Kindheit. Die ersten nennenswerten Bilder habe ich so 1983, 1984 gemacht und die erste Fotoausstellung hatte ich 1986. Zwischendurch gab es aber immer wieder Pausen, wo ich mich mehr der Musik oder der Malerei gewidmet habe.
Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe schon immer alles mögliche ausprobiert, um mich kreativ auszutoben. Studiert habe ich ja Malerei und Grafik, aber die anderen Medien haben mich immer auch interessiert. So gibt es zwar temporär mal den einen oder anderen Schwerpunkt, aber ich beschränke mich auch heute nie auf nur ein Medium.
Warum fotografierst du?
Ich kann da zurzeit am besten die Bilder Wirklichkeit werden lassen, die mir durch den Kopf gehen. Ich kann die Stimmungen visualisieren, die ich fühle. Und ich kann Geschichten erzählen.
Ich fotografiere aber auch, um damit Geld zu verdienen. Und wenn mich jemand dafür bezahlt, dass ich ihn porträtiere, dann porträtiere ich ihn eben. Mittlerweile bin ich zum Glück in der Position, dass Menschen von mir fotografiert werden wollen, weil sie meine Art, Bilder zu machen, schätzen. D.h. ich muss mich nicht so sehr fremden Vorstellungen unterwerfen, sondern kann "mein Ding machen".
Welche Art von Fotos machst du?
Es ist schwer, dies selber zu beschreiben. Emotionale Bilder mache ich wohl. Und erotische. Das sind so die zwei Hauptthemen, die mich am meisten interessieren, wobei es mir bei Erotik nie um die pure Darstellung von Nacktheit geht, oder um die Erotik, wie sie uns in Hochglanzmagazinen meist verkauft wird, sondern mehr um subtilere Auswüchse. Um die Randbereiche der Erotik.
Mit welcher/welchen Kamera/s arbeitest du und warum?
Ich habe Bilder oder Ästhetiken im Kopf und wähle dementsprechend die Kamera aus. Bei Auftragsarbeiten gehe ich meist auf "Nummer Sicher" und fotografiere mit einer Canon 10D. Die Digitalfotografie begeistert mich nicht mehr so sehr, wie sie es anfangs tat, aber hier habe ich die besten Kontrollmöglichkeiten und kann vor Ort schon entscheiden, ob ein Schuss neu gemacht und was korrigiert werden muss.
Bei meinen freien Arbeiten experimentiere ich mehr mit analogen Kameras und Material. Mein Liebling ist meine Hasselblad 500 el/m.
Und ich mag sie sehr, weil der Blick in den Lichtschacht ein ganz anderer ist als der durch einen KB-Sucher und ich so zu ganz anderen Kompositionen und Perspektiven finde. Auch die knapperen Schärfeverläufe im Mittelformat begeistern mich immer wieder sehr.
Entsprechend arbeite ich auch gerne mit einer Pentacon Six TL. Durch den Lichtschacht ähnelt sie in der Arbeitsweise natürlich der Hassi, aber da sie wie ein Panzer daher kommt, mag ich sie auch mehr strapazieren. Ich fotografiere ein wenig schneller mit ihr.
Dann begeistert mich die Sofortbild-Fotografie sehr. Meine favorisierten Kameras sind hier einerseits der Polaroid-Klassiker: Die SX-70, weil es eben "richtige" Spiegelreflex-Fotografie ist und ich mit dem Nahbereich von 30 cm wunderbare Schärfeverläufe hinbekomme. Letztendlich hat sie auch den Vorteil des quadratischen Formats, den ich ja bei der Mittelformat schon sehr schätze und zudem den der Möglichkeit, die Bilder sofort zu überprüfen und ggf. nochmals neu zu schießen. Dann arbeite ich zur Zeit viel mit einer EE66, die Trennbildmaterial verwendet und es mir so ermöglicht, mit Mehrfachbelichtungen zu experimentieren. Der dritte Favorit bei den Polaroids ist eine Olympus C-211. Das ist eine Kamera, die es leider nie auf den europäischen Markt geschafft hat und meines Wissens nach nur in den USA verkauft wurde. Das ist ein wunderbare Zwitter aus digitaler und Polaroid-Fotografie. Die Bilder werden digital gesichert, können aber sofort über das interne Polaroid-Druckwerk auf 500er Material ausgegeben werden. Ja, das sind so meine Favoriten. Je nach Gelegenheit kommen dann noch eine Agfa-Box, eine Clack und eine Click, eine Altix, eine EXA 1, eine Canon AE1 Program, eine Diana ... oder was auch immer in den Koffer.
Welche Objektive setzt du ein und warum?
Festbrennweiten. Weil sie mich zwingen, mich stärker mit dem Motiv an sich auseinander zu setzen. Ich muss mich mit ihnen bewegen, um den idealen Schnitt zu finden. Für die 10D verwende ich vor allem das 50 mm 1,8 von Canon und bei der Hasselblad ein 80er und ein 150er. Mit längeren Brennweiten komme ich nicht so richtig klar.
Welche Locations (Studio, Outdoor, On Location) bevorzugst du und warum?
Ganz klar "on Location". Weil mir der Raum für meine Bilder meist sehr wichtig ist. Weil er bei meinen Bildern eine große Rolle für deren Stimmung spielt. Im Winter arbeite ich dann natürlich doch meist in meinem Studio, wobei man sich darunter kein klassisches Studio vorstellen darf: Das sind mehrere leere Räume, die bei Bedarf neu gestrichen werden und in denen ich eben Heizung und Blitzanlage habe.
Das Arbeiten mit Karton- oder Stoffhintergründen ist mir eher fremd.
Hast du einen Fotografen als Vorbild?
Da kann ich niemanden konkret benennen. Ich laufe natürlich mit offenen Augen durch die Welt und schaue, was "die anderen" so machen und sicher lasse ich mich da auch beeinflussen. Aber konkrete Vorbilder habe ich keine. Von den Klassikern schätze ich Sieff sehr wegen seines Umgangs mit Raum und Licht. Ich bewundere aber auch Künstler wie Boltanski, die über alle Medien hinweg kreativ arbeiten. Bestimmt lasse ich mich auch sehr durch Filme beeinflussen und auch durch Literatur und Musik.
Es sind Stimmungen und Ideen, die ich dann dort aufgreife und mit meinen Möglichkeiten neu interpretiere.
Welches ist dein Lieblingsbild und warum?
Ach, das wechselt immer wieder. Das ist sehr schwer zu beantworten.
Ich mag besonders natürlich die Bilder, die ich von meiner Frau mache, die sowohl als Modell als auch als Fotografin arbeitet. Die Bilder sind mir wegen ihr als Menschen und unserer Liebe am wichtigsten und liebsten. Ansonsten sind es eigentlich immer die Bilder des jeweils letzten Shootings, die mich am meisten bewegen.
Was ist dein Wunsch oder Traum für deine Fotografie, die du gerne einmal umsetzen würdest?
Ich würde gerne noch mehr mit einer großen Anzahl von Modellen arbeiten. Also gleichzeitig, für ein Bild. Ich würde gerne Orgien inszenieren, aber es ist sehr schwer, Modelle zu finden, die sich darauf einlassen. Ansonsten sind da immer wieder viele kleine Ideen, die aber nicht Träume zu nennen sind, da ich sie meist recht kurzfristig umsetzen kann.
Wer mehr über Butow Maler lesen und weitere Bilder von ihm sehen möchte, kann das unter www.glamourpunk.net tun.
http://www.la-garda.de |
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